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Ein Leben als Malerin

Seit sie 18 war wußte Helene Menne-Lindenberg, dass sie nichts anderes als Malerin werden wollte. 1941 erhielt sie die Zustimmung der Eltern zum Besuch der Kunsthochschule in Berlin, die sie bis zum Abschluß als Kunsterzieherin 1943 besuchte. Daneben studierte sie Germanistik und Kunstgeschichte an der Univerität.   

Nach Kriegsende unterstützte sie ihre verwitwete Mutter in Gelsenkirchen. Sie gründete dort mit anderen Künstlerinnen und Künstlern zunächst die Künstlervereinigung Hütte sowie nach deren Auflösung den Bund Gelsenkirchener Künstler. Sie malte viel und verkaufte einiges. Sie besuchte, oft zusammen mit ihrem Mann, der selbst sehr an Kunst und Architektur interessiert war und sie zeitlebens unterstützte, viele Museen, alte Städte und  eindrucksvolle Landschaften in Flandern, Frankreich und Italien. Auf diesen Reisen fand sie viele ihrer Motive. 

Kurz vor ihrem 69. Geburtstag starb Helene Menne-Lindenberg 1988 in Gelsenkirchen. Ihr Mann, der Jurist Heinz Menne (1921-1988), den sie 1945 geheiratet hatte und mit dem sie zwei Kinder großzog, überlebte sie nur einige Monate..

Die Malerin fomulierte ihre künstlerische Leitlinie in dem Satz: „Malen ist Weltaneignung“. Wer ihre Bilder ansah, sollte durch die Veränderung der Motive aufmerken, genauer hinsehen und sich vielleicht an eigene, ähnliche Eindrücke erinnert fühlen. Sie probierte verschiedene Ansätze dazu aus und war durchaus offen für die Auflösung der Formen in der modernen Malerei, die sie bis zur selbstgesetzten Grenze der Wiedererkennbarkeit austestete. Schließlich stellte sie fest, dass die Formen für sie unverzichtbar blieben, weil sie mit ihrer Hilfe allein zeigen konnte, wo sie die dargestellten Farben gefunden hatte und wo man als Betrachter ihrer Arbeiten selbst auf die Suche nach ähnlichen Eindrücken gehen könnte.

Besonders eindrücklich legte sie in den  weiten Landschaften ihrer späten Bilder ihre eigenen Empfindungen offen, von denen sie sich immer wieder neu zum Malen angetrieben fühlte. Ihr eigenes Staunen vor der Natur konnte und wollte sie nicht für sich allein behalten und bot es mit ihren Bildern zum Nachempfinden an. 

Tabellarische Biographie

1919 - Geburt am 1. Oktober in Gelsenkirchen. Der Vater war Holzhandelskaufmann und Prokurist der Holzhandelsfirma Schüler in Gelsenkirchen. Beide Eltern waren in der evangelischen Gemeinde und später auch in der bekennenden Kirche aktiv.

1926 - Einschulung am 1. April in die evangelische Hohenzollernschule in Gelsenkirchen.

1930 - Wechsel an das Lyceum Gelsenkirchen.

1936 - Gegen ihren eigenen Willen Abbruch der Schule mit der mittleren Reife auf Wunsch des Vaters. Beginn einer Ausbildung zur Kindergärtnerin. Gleichzeitig Besuch der Folkwangschule Essen

1938 - Examen als Kindergärtnerin und Hortnerin. Praktikantin im Ausbildungsseminar, Besuch von Abendkursen an der Folkwangschule neben der Arbeit im Kindergarten und Nachholen des Lernstoffs der Oberstufe im Selbststudium.

1940 - Wiedereintritt in die Abitursklasse des Lyceums.

1941 - Abitur. Ein Monat danach im Sommersemester Beginn des Studiums an der Hochschule für Kunsterziehung, Berlin (heute UdK) und an der Berliner Universität. In den Semesterferien abkommandiert zum Rüstungseinsatz in der Metallverarbeitung der Firma Geldbach in Gelsenkirchen.

1943 - Künstlerische Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen. Im Wintersemester Studium der Kunsterziehung und Germanistik in Marburg.

1944 - Im Sommersemester Werklehrerlehrgang an der Kunsthochschule Berlin mit Abschlussprüfung im Oktober. Ende September Tod des Bruders Ernst östlich von Riga. Ab dem Wintersemester Studium der Philologie in Marburg. Erste Ausstellungsteilnahmen.

1945 - Heirat mit Heinz Menne im Februar in Marburg. Im April verbrennen viele frühere Bilder bei einem Bombenangriff in Marburg. Anfang April Tod des Vaters in Gelsenkirchen. Im Winter Ausstellungsteilnahme in Gelsenkirchen.

1946 - Studium der Kunstgeschichte und Philosophie in Marburg. Häufige Fahrten nach Gelsenkirchen zur Mutter.

1947 - Teilnahme an der Deutschen Kunstausstellung Essen. Gemeinsame Ausstellung der von ihr mitgegründeten Künstlergruppe „Hütte“.

1949 - Umzug nach Gelsenkirchen. Geburt der Tochter.

1950 - Vorstandsmitglied im neu gegründeten Bund Gelsenkirchener Künstler nach Auflösung der „Hütte“. Geburt des Sohnes.

1951 - Tätigkeit als Kunsterzieherin am Gymnasium in Bochum. Erster Beitrag zum Kalender des Bundes Gelsenkirchener Künstler.

1952 - Kur in Bad Bentheim.

1955 - Reise mit Freunden in deren Borgward durch Ostfrankreich und die Schweiz nach Oberitalien.

1956 und folgende Jahre - Reisen, u.a. zu den Museen in Haarlem, Amsterdam, Utrecht.

1957 - Reise mit der Lambretta nach Paris.

1958 - Reise mit der Bahn nach Sizilien.

1959 - Urlaubsreise zum Genfer See und Besuch bei Oskar Kokoschka in  Villeneuve. Auseinandersetzungen im Künstlerbund um gegenständliche und abstrakte Malerei.

1962 - Abqualifizierung ihrer bei der Jahresschau Gelsenkirchener Künstler gezeigten Bilder in der örtlichen Presse. Danach lange Schaffenspause und mehrmonatige Krankenhausaufenthalte.

1970 und folgende Jahre - mehrere Studienreisen u.a. mit Margarete Franke, ebenfalls Mitglied im Bund Gelsenkirchener Künstler, nach Südspanien.

1977 - Teilnahme an der Ausstellung "Südliche Küsten" in Gelsenkirchen.

1981 - Letzte Ausstellung zu Lebzeiten.

1984 - Letzte Bilder entstehen am Ende einer intensiven Schaffensperiode im Atelier in Gelsenkirchen.

1988 - Helene Menne-Lindenberg stirbt am 4. August.

zuletzt geändert: 12.4.2021